Event Storming

Event Storming.
Der Name hat mich überzeugt.
Sturm.
Energie.
Chaos das sich ordnet.
Blitze der Erkenntnis.

Ich war dabei.
Einmal.
Den ganzen Tag.

Es war kein Sturm.
Es war ein laues Lüftchen
in einem Raum ohne Fenster
mit zu vielen Post-its
und zu wenig Sauerstoff.

Stunde eins:
Der Moderator erklärt was Domain Events sind.
Alle nicken.
Niemand ist sicher ob sie es verstanden haben.
Der Moderator auch nicht.

Stunde zwei:
Alle schreiben Post-its.
Orange.
Viele orange Post-its.
Manche schreiben dasselbe.
In anderen Worten.
Beide kleben sie hin.
Beide behalten sie.

Stunde drei:
Diskussion darüber ob
"BestellungAufgegeben" und "BestellungErstellt"
dasselbe sind.
Vierzig Minuten.
Ergebnis: Hot Spot.
Roter Post-it.
Bedeutet: klären wir später.
Wir klären es nicht später.

Stunde vier:
Ich habe meinen Laptop aufgemacht.
Für einen wichtigen Call.
Der Call existierte nicht.
Aber der Laptop existierte.
Das war genug.

Stunde fünf:
Ich habe den Raum verlassen.
Kurz.
Für Luft.
Ich bin nicht zurückgekommen.
Niemand hat es bemerkt.
Alle waren mit ihren Post-its beschäftigt.
Das hat mich bestätigt.

Stunde sechs:
Der Moderator ruft „Big Picture fertig".
Alle fotografieren die Wand.
Das Foto landet in Confluence.
Niemand öffnet Confluence.

Am Ende des Tages
hatten wir dreihundert Post-its.
Vierzig Hot Spots.
Zwölf ungeklärte Bounded Contexts.
Und ein gemeinsames Verständnis
das bei jedem anders war.

Das ist kein Sturm.
Das ist Briefmarkensammeln
mit Fachvokabular.

Event Storming hat einen richtigen Gedanken:
Bring alle in denselben Raum.
Macht das Implizite explizit.
Das stimmt.
Das ist wertvoll.

Aber ein ganzer Tag?
Für dreihundert Post-its?
Die niemand mehr findet?

Mein Agent hat in einer Stunde
mehr Domain Events generiert
als das gesamte Team in sechs Stunden.
Alle an der falschen Wand.
Aber schneller.
Und die Wand war wenigstens voll.

Wann habt ihr zuletzt
einen echten Sturm erlebt?
Nicht ein laues Lüftchen mit Moderation.
Einen Sturm.

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