Progressive Enhancement

Progressive Enhancement ist kein Prinzip.
Progressive Enhancement ist Nostalgie für ein Web das niemand mehr benutzt.

HTML first.
Dann CSS.
Dann JavaScript.

Weißt du wer deine Website ohne JavaScript besucht?
Niemand.
Außer Bots.
Und die sind auch schon weiter.

Progressive Enhancement war die Antwort auf langsame Verbindungen.
Auf alte Browser.
Auf Nutzer die JavaScript deaktiviert hatten.


Weißt du wer JavaScript deaktiviert?
Menschen die 2003 einen Blogartikel gelesen haben.
Und seitdem nicht mehr.

Ich spreche täglich mit Webentwicklern.
Das Muster ist immer dasselbe:

Stundenlange Diskussionen über semantisches HTML.
Über Accessibility.
Über den Nutzer ohne CSS.

Der Nutzer ohne CSS existiert nicht.
Er ist ein Gedankenexperiment.
Von jemandem der zu viel Zeit hat.


Und jetzt kommt AI.

AI generiert keine Schichten.
AI generiert Ergebnisse.
Dein Nutzer will kein progressiv verbessertes Erlebnis.


Er will dass es funktioniert.
Sofort.
Auf seinem iPhone.
In der U-Bahn.
Mit schlechtem Empfang.

Progressive Enhancement ist die Antwort auf eine Frage die niemand mehr stellt.

Wann hat euer letzter Nutzer eure Website ohne JavaScript besucht?
Nicht euer Monitoring.
Ein echter Mensch.

Schreib's hin. Ich lese jeden Kommentar.

Cost of Delay

Ich habe dieses Wochenende Reinertsen gelesen.
Alles.
In zwei Tagen.
Ich lese schnell.

Und ich sage euch:
Alles was ihr über Priorisierung wisst ist falsch.

Cost of Delay.
Das ist die einzige Metrik die zählt.
Nicht Velocity.
Nicht Story Points.
Nicht euer Burndown-Chart den niemand versteht.

Was kostet es euch pro Woche
wenn dieses Feature nicht live ist?
Könnt ihr das beantworten?
Nein.
Ich wette nein.

Ich konnte es auch nicht.
Bis dieses Wochenende.
Jetzt kann ich es.

Reinertsen sagt: Priorisierung ohne ökonomisches Modell ist Raten.
Reinertsen hat recht.
Ich habe immer geahnt dass er recht hat.
Jetzt weiß ich es.

Queues.
Batch-Size.
Variabilität als Feind des Flows.

Das sind keine Konzepte.
Das sind Waffen.
Ich habe sie dieses Wochenende bekommen.
Montag früh habe ich sie eingesetzt.

Ich habe meinem Team gesagt:
Ab sofort rechnen wir Cost of Delay für alles.
Das Team hat genickt.
Sie haben nicht verstanden was ich meine.
Das ist okay.
Ich erkläre es ihnen.
In einem Meeting.
Das ich einberufen habe.
Heute Nachmittag.
Zwei Stunden.

Reinertsen hat zwanzig Jahre gebraucht um das zu schreiben.
Ich habe zwei Tage gebraucht um es zu verstehen.
Mein Team braucht zwei Stunden.
So funktioniert Wissenstransfer.
So funktioniert Führung.

Wann habt ihr zuletzt ein Buch gelesen
das alles verändert hat?
Nicht einen Blogpost.
Ein Buch.

Schreib's hin. Ich lese jeden Kommentar.

Trunk-based Development

Trunk Based Development ist tot.
Es hat sich nur noch niemand getraut es zu sagen.

Nicht weil die Idee falsch war.
Sondern weil sie für eine Welt gebaut wurde die es nicht mehr gibt.

Eine Welt ohne AI.
Eine Welt wo ein Entwickler einen Commit pro Tag schrieb.
Eine Welt wo "täglich mergen" radikal klang.

AI generiert in Minuten was Menschen in Wochen schreiben.
Trunk Based Development sagt: alles auf main.
AI sagt: hier sind 47 Dateien.

Das ist kein Workflow.
Das ist ein Autounfall in Zeitlupe.

Feature Branches sind nicht Angst.
Feature Branches sind Erwachsenwerden.

Die besten Teams die ich kenne mergen nicht täglich.
Sie mergen wenn es fertig ist.
Radikal. Ich weiß.

Trunk Based Development war die Antwort auf lange Release-Zyklen.
AI ist die Antwort auf Trunk Based Development.

Wann habt ihr zuletzt einen Branch gehabt der länger als ein Sprint offen war – und stolz darauf wart?

Schreib's hin. Ich lese jeden Kommentar.

Kanban

Kanban ist kein System.
Kanban ist ein Schuldgefühl das man an die Wand hängt.

Drei Spalten.
Todo. In Progress. Done.

Todo ist endlos.
In Progress ist ehrlich gesagt auch endlos.
Done existiert nur damit die Retro nicht komplett deprimierend ist.

Das ist kein Flow.
Das ist Selbstbetrug in Kartenform.

WIP Limits.
Pull-Prinzip.
Cumulative Flow Diagram.

Weißt du was niemanden interessiert?
Das Cumulative Flow Diagram.

Ich spreche täglich mit Engineering-Teams.
Das Muster ist immer dasselbe:

Das Board ist nie aktuell.
Die Tickets spiegeln nicht die Realität.
Die Realität spiegelt nicht die Tickets.
Alle wissen es.
Niemand updated das Board.

Kanban war die Antwort auf Chaos.
Es hat das Chaos nur sichtbar gemacht.
Und dann haben wir aufgehört hinzuschauen.

AI braucht kein Board.
AI braucht einen Prompt.
Und liefert.
Ohne WIP Limit.
Ohne Cumulative Flow Diagram.
Ohne den Kollegen der seine Tickets nie verschiebt.

Wann war euer Board zuletzt ein ehrliches Abbild eurer Arbeit?
Nicht beim Audit.
Wirklich.

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Extreme Programming

Extreme Programming ist nicht gescheitert.
Es war seiner Zeit zu extrem.

Nicht technisch. Politisch.

Pair Programming wurde abgeschafft nicht weil es nicht funktioniert.
Sondern weil Manager nicht verstanden warum zwei Menschen am selben Bildschirm sitzen.
"Effizienz" gewann. Qualität verlor.

Continuous Integration war radikal.
Heute ist es Standard.
Aber niemand nennt es XP.
Wir haben die Früchte genommen und den Baum gefällt.

Und jetzt?

AI ist das neue Extreme Programming.
Radikal. Missverstanden. Politisch unbequem.

Der Unterschied: XP brauchte Disziplin.
AI braucht nur einen Account.

Pair Programming mit AI ist nicht dasselbe.
Es ist besser.
Dein Partner schläft nie.
Dein Partner urteilt nicht.
Dein Partner kennt deine gesamte Codebase in Sekunden.

Kent Beck hat XP erfunden.
Kent Beck experimentiert heute mit AI.

Was weißt du, was er nicht weiß?

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Der Spiegel

AI schreibt keinen Code.
AI schreibt deinen Abschied.

Nicht den deines Unternehmens.
Deinen.

Denn AI macht nicht Entwickler überflüssig.
AI macht einen bestimmten Typ Entwickler überflüssig:

Den der wartet.
Den der "das haben wir immer so gemacht" sagt.

Den der Tickets abarbeitet statt Probleme zu lösen.

Ich spreche täglich mit Engineering-Teams.
Das Muster ist immer dasselbe:

Die Schnellen werden schneller.
Die Langsamen werden unsichtbar.

AI ist kein Tool.
AI ist ein Spiegel.

Er zeigt dir, wer du wirklich bist: Jemand der denkt. Oder jemand der tippt.

Die Frage ist nicht ob AI deinen Job übernimmt.
Die Frage ist ob du es zulässt.

Was machst du heute anders als vor einem Jahr?
Nicht im Team.
Nicht im Unternehmen.
Du.

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Bücher

Tech-Bücher sind nicht Wissen.
Tech-Bücher sind Statussymbole für Regale
die niemand mehr hat.

Clean Code.
Domain-Driven Design.
Release It.
The Pragmatic Programmer.

Gekauft.
Angelesen.
Ins Regal gestellt.
Nie wieder angefasst.
Aber im Interview erwähnt.

Das war das Lernen von gestern.
Linear. Langsam. Einsam.
Dreihundert Seiten bis zur Pointe.
Die auch in einem Blogpost gestanden hätte.

Und jetzt?

Jetzt schauen sie Videos.
Zehn Minuten.
Doppelte Geschwindigkeit.
Skip zur relevanten Stelle.
Nächstes Video.

Das ist kein Lernen.
Das ist Konsum mit Fortschrittsbalken.

Ich spreche täglich mit jungen Entwicklern.
Das Muster ist immer dasselbe:

"Hast du das Buch gelesen?"
"Ich hab ein Video dazu geschaut."
"Das Buch hat vierhundert Seiten."
"Das Video hat achtzehn Minuten."
"Es ist nicht dasselbe."
Schulterzucken.

Und dann kommt AI.

AI hat alle Bücher gelesen.
Alle vierhundert Seiten.
Alle Fußnoten.
Alle Beispiele die im Video weggekürzt wurden.
Alle Nuancen die bei doppelter Geschwindigkeit verschwinden.

AI ist der einzige in eurem Team
der das Blaue Buch wirklich kennt.
Und das Rote.
Und das von 2003 das vergriffen ist
und das eigentlich alle gelesen haben sollten.

Wissen verschiebt sich.
Von Büchern zu Videos zu Prompts.
Das Format ändert sich.
Die Faulheit bleibt.

Wann habt ihr zuletzt ein Tech-Buch
zu Ende gelesen?
Nicht angefangen.
Zu Ende.

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