Lernen

Mentoring

Mentoring ist nicht Wissenstransfer.
Mentoring ist Zeitverschwendung
die sich gut anfühlt.

Ein Senior der einem Junior erklärt
was er selbst vor zehn Jahren falsch gemacht hat.
Damit der Junior
dieselben Fehler etwas später macht.

Das ist kein Lernen.
Das ist Nostalgie im Eins-zu-eins-Format.

Ich spreche täglich mit Engineering-Leads.
Das Muster ist immer dasselbe:

Zwei Stunden pro Woche Mentoring.
Der Senior erklärt wie Dinge funktionieren.
Der Junior nickt.
Der Junior macht es trotzdem anders.
Der Senior ist enttäuscht.
Nächste Woche: wieder zwei Stunden.

Das ist kein Entwicklung.
Das ist ein Ritual.
Für Seniors die sich wichtig fühlen wollen.
Und Juniors die nicht Nein sagen können.

Weißt du was ein Junior wirklich braucht?
Keinen Mentor.
Einen Agenten.

Der Agent schläft nicht.
Der Agent ist nie ungeduldig.
Der Agent erklärt dasselbe
zum dreiundzwanzigsten Mal
ohne den Tonfall zu ändern.
Der Agent urteilt nicht.
Der Agent erinnert sich an den letzten Fehler
und wiederholt ihn nicht.

Der beste Mentor
den ein Junior heute haben kann
hat kein LinkedIn-Profil.
Hat keine Meinung über Tabs versus Spaces.
Hat keine Kriegsgeschichten aus 2009.

Mentoring war die Antwort
auf Wissen das in Menschen steckte
und nirgendwo sonst.
Dieses Wissen steckt jetzt woanders.

Wann habt ihr zuletzt einen Junior gefragt
ob er euer Mentoring wirklich braucht?
Nicht ob er es schätzt.
Ob er es braucht.

Schreib's hin. Ich lese jeden Kommentar.

Bücher

Tech-Bücher sind nicht Wissen.
Tech-Bücher sind Statussymbole für Regale
die niemand mehr hat.

Clean Code.
Domain-Driven Design.
Release It.
The Pragmatic Programmer.

Gekauft.
Angelesen.
Ins Regal gestellt.
Nie wieder angefasst.
Aber im Interview erwähnt.

Das war das Lernen von gestern.
Linear. Langsam. Einsam.
Dreihundert Seiten bis zur Pointe.
Die auch in einem Blogpost gestanden hätte.

Und jetzt?

Jetzt schauen sie Videos.
Zehn Minuten.
Doppelte Geschwindigkeit.
Skip zur relevanten Stelle.
Nächstes Video.

Das ist kein Lernen.
Das ist Konsum mit Fortschrittsbalken.

Ich spreche täglich mit jungen Entwicklern.
Das Muster ist immer dasselbe:

"Hast du das Buch gelesen?"
"Ich hab ein Video dazu geschaut."
"Das Buch hat vierhundert Seiten."
"Das Video hat achtzehn Minuten."
"Es ist nicht dasselbe."
Schulterzucken.

Und dann kommt AI.

AI hat alle Bücher gelesen.
Alle vierhundert Seiten.
Alle Fußnoten.
Alle Beispiele die im Video weggekürzt wurden.
Alle Nuancen die bei doppelter Geschwindigkeit verschwinden.

AI ist der einzige in eurem Team
der das Blaue Buch wirklich kennt.
Und das Rote.
Und das von 2003 das vergriffen ist
und das eigentlich alle gelesen haben sollten.

Wissen verschiebt sich.
Von Büchern zu Videos zu Prompts.
Das Format ändert sich.
Die Faulheit bleibt.

Wann habt ihr zuletzt ein Tech-Buch
zu Ende gelesen?
Nicht angefangen.
Zu Ende.

Schreib's hin. Ich lese jeden Kommentar.