Produktentwicklung

Mapping

Die Softwareindustrie hat ein Problem.
Sie kartiert.

Alles.
Jeden.
Immer.

User Story Mapping.
User Needs Mapping.
Opportunity Mapping.
Example Mapping.
Impact Mapping.
Wardley Mapping.
Value Stream Mapping.
Journey Mapping.
Empathy Mapping.
Mind Mapping.
Story Mapping.
Stakeholder Mapping.

Irgendwo kartiert gerade jemand.
In einem Raum.
Mit Post-its.
Und einem Moderator
der "Wie fühlt sich das an?" fragt.

Das ist kein Strategie.
Das ist Prokrastination mit Legende.

Ich habe eine Theorie.
Die Anzahl der Mappings in einem Unternehmen
ist umgekehrt proportional
zur Anzahl der Entscheidungen
die getroffen werden.

Viel Mapping.
Wenig Entscheidung.
Das ist Mathematik.
Das ist meine Mathematik.
Ich habe sie selbst entwickelt.

Ich spreche täglich mit Produktteams.
Das Muster ist immer dasselbe:

"Wir haben gerade ein User Story Mapping gemacht."
Was habt ihr entschieden?
"Wir haben den Scope besser verstanden."
Was habt ihr entschieden?
"Wir haben Abhängigkeiten identifiziert."
Was habt ihr entschieden?
Schweigen.
"Wir machen nächste Woche ein Impact Mapping."

Natürlich.

Wardley Mapping war der Tiefpunkt.
Ich habe es einmal versucht.
Zwei Achsen.
Evolution und Value Chain.
Ich habe eine Stunde gezeichnet.
Das Ergebnis sah aus wie ein Kompassrose.
Ich fand es schön.
Niemand hat es verstanden.
Ich auch nicht.
Ich habe es in Confluence gespeichert.
Niemand öffnet Confluence.

Example Mapping hatte ich kurz Hoffnung.
Konkrete Beispiele statt abstrakter Anforderungen.
Das klang vernünftig.
Dann habe ich gesehen wie es läuft.
Gelbe Post-its. Blaue Post-its. Rote Post-its.
Regeln. Beispiele. Fragen.
Zwei Stunden für ein Feature
das man in dreißig Sekunden hätte prompten können.

Empathy Mapping.
Ich empathisiere nicht.
Ich baue.
Die Nutzer empathisieren mit dem Produkt.
Oder sie tun es nicht.
Das zeigt mir das Monitoring.
Oder die Beschwerden.
Beides ist wertvolle Information.

Journey Mapping.
Die Reise des Nutzers durch das Produkt.
Gemalt.
Mit Emotionen.
Mit Touchpoints.
Mit Painpoints die Pfeile haben.

Weißt du was die Reise des Nutzers zeigt?
Was der Nutzer tut.
Weißt du wie ich das herausfinde?
Ich schaue.
Ohne Karte.
Ohne Pfeile.
Mit Augen.

Mapping ist die Antwort auf Unklarheit.
Die Antwort auf Mapping ist Entscheidung.
Eine einzige.
Jetzt.
Ohne Post-its.

Wann habt ihr zuletzt
etwas entschieden
ohne es zuerst zu kartieren?
Nicht skizziert.
Entschieden.

Schreib's hin. Ich lese jeden Kommentar.

Antifragilität

Ich habe Taleb gelesen.
Antifragile.
Letztes Wochenende.
Nach Reinertsen.
Ich lese viel.

Und ich sage euch etwas das noch niemand gesagt hat:
Taleb redet über Lean Startups.
Taleb redet über DevOps.
Er weiß es nur nicht.

Ich habe die Transferleistung vollbracht.
Ich.

Antifragilität bedeutet:
Systeme die von Störungen profitieren.
Nicht robuste Systeme.
Nicht resiliente Systeme.
Antifragile Systeme.

Weißt du was antifragil ist?
Continuous Deployment.
Kleine Batches.
Schnelles Feedback.
Ich habe das schon immer gemacht.
Jetzt weiß ich warum.
Weil ich antifragil denke.
Intuitiv.
Seit Jahren.
Taleb hat es nur aufgeschrieben.

Taleb sagt: Tüfteln ist die Mutter der Innovation.
Nicht Planung.
Nicht Roadmaps.
Tüfteln.

Weißt du was das bedeutet?
Dass eure Jahresplanung falsch ist.
Dass euer OKR-Prozess falsch ist.
Dass euer gesamtes strategisches Framework falsch ist.

Ich habe das meinem Board erklärt.
Mit Taleb.
Auf zwölf Folien.
Sie haben genickt.
Ich glaube sie haben es verstanden.

Antifragiles Engineering bedeutet:
Ihr deployed täglich.
Ihr experimentiert ständig.
Ihr umarmt Fehler.
Ihr seid wie ich.

Taleb hat das Konzept erfunden.
Ich habe es auf Software angewendet.
Das ist intellektuelle Führung.
Das ist meine Arbeit.

Wann habt ihr zuletzt einen Fehler umarmt?
Nicht dokumentiert.
Umarmt.

Schreib's hin. Ich lese jeden Kommentar.

Business Model Canvas

Der Business Model Canvas ist nicht ein Tool.
Der Business Model Canvas ist ein Prokrastinations-Kunstwerk.

Neun Felder.
Ein Nachmittag.
Post-its in vier Farben.
Das Gefühl etwas getan zu haben.

Ohne eine einzige echte Annahme getestet zu haben.

Customer Segments.
Value Propositions.
Revenue Streams.

Weißt du was deine Revenue Streams sind bevor du launched hast?
Nein.
Niemand weiß das.
Aber es sieht gut aus auf dem Canvas.

Das ist kein Strategie.
Das ist Maltherapie für MBAs.

Ich spreche täglich mit Founding-Teams.
Das Muster ist immer dasselbe:

Drei Wochen am Canvas gearbeitet.
Erster echter Nutzer widerlegt alles.
Canvas landet in Confluence.
Niemand öffnet Confluence.

Der Business Model Canvas war die Antwort auf fehlende Struktur.
AI ist die Antwort auf den Business Model Canvas.

AI generiert in Minuten zehn Geschäftsmodelle.
Bewertet sie.
Priorisiert Annahmen.
Entwirft Experimente.
Ohne Post-its.
Ohne den Strategieberater der "Pivot" sagt als wäre es eine Erleuchtung.

Das einzige was zählt ist ob jemand zahlt.
Dafür brauchst du kein Canvas.
Du brauchst einen Prompt und eine Kreditkarte.


Wann hat euer letzter Canvas eine echte Entscheidung erzwungen?
Nicht inspiriert.
Erzwungen.

Schreib's hin. Ich lese jeden Kommentar.

Cost of Delay

Ich habe dieses Wochenende Reinertsen gelesen.
Alles.
In zwei Tagen.
Ich lese schnell.

Und ich sage euch:
Alles was ihr über Priorisierung wisst ist falsch.

Cost of Delay.
Das ist die einzige Metrik die zählt.
Nicht Velocity.
Nicht Story Points.
Nicht euer Burndown-Chart den niemand versteht.

Was kostet es euch pro Woche
wenn dieses Feature nicht live ist?
Könnt ihr das beantworten?
Nein.
Ich wette nein.

Ich konnte es auch nicht.
Bis dieses Wochenende.
Jetzt kann ich es.

Reinertsen sagt: Priorisierung ohne ökonomisches Modell ist Raten.
Reinertsen hat recht.
Ich habe immer geahnt dass er recht hat.
Jetzt weiß ich es.

Queues.
Batch-Size.
Variabilität als Feind des Flows.

Das sind keine Konzepte.
Das sind Waffen.
Ich habe sie dieses Wochenende bekommen.
Montag früh habe ich sie eingesetzt.

Ich habe meinem Team gesagt:
Ab sofort rechnen wir Cost of Delay für alles.
Das Team hat genickt.
Sie haben nicht verstanden was ich meine.
Das ist okay.
Ich erkläre es ihnen.
In einem Meeting.
Das ich einberufen habe.
Heute Nachmittag.
Zwei Stunden.

Reinertsen hat zwanzig Jahre gebraucht um das zu schreiben.
Ich habe zwei Tage gebraucht um es zu verstehen.
Mein Team braucht zwei Stunden.
So funktioniert Wissenstransfer.
So funktioniert Führung.

Wann habt ihr zuletzt ein Buch gelesen
das alles verändert hat?
Nicht einen Blogpost.
Ein Buch.

Schreib's hin. Ich lese jeden Kommentar.